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Enkingen, ev. St. Jodokkirche

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Enkingen, Evang. St. Jodokus-Kirche

Enkingen, Evang. St. Jodok-Kirche

Enkingen liegt im Ries und gehört zum Seelsorgeverband Enkingen-Grosselfingen.
Kirchenweg 3, 86720 Nördlingen-Grosselfingen
eMail pfarramt.grosselfingen(at)elkb.de

Der Pfarrei verdanken wir folgende ausführliche Beschreibung:

"Die Dorfkirche in Enkingen besteht in ihrem heutigen Zustand aus zwei Bauteilen unterschiedlicher Datierung: Der Altarraum stammt vom Ende des 14. Jahrhunderts, das Langhaus wurde Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut. Eine in die Nordwand des Kirchenschiffes eingelassene Inschriftentafel berichtet vom Einsturz des Kirchturmes im Jahre 1606 und von dessen Wiederaufbau durch den Deutschen Orden im darauf folgenden Jahr.

Die Fresken im Chorraum der Kirche werden in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert. Sie wurden bei der Kirchenrenovierung im Jahr 1963 wieder freigelegt, wobei aber bekannt war, dass sie unter dem Verputz lagen. Die Nordseite des Chorraumes wird von dem Bild des Jüngsten Gerichts mit einem großen, weit aufgerissenen Drachenmaul, dem Höllenrachen, eingenommen. An der gegenüberliegenden Wand sind in einzelnen gerahmten Bildfeldern Szenen aus der Passion Christi dargestellt. Von den drei ganzfigurig dargestellten Personen zwischen den Chorfenstern hinter dem Altar sind trotz ihres schlechten Erhaltungszustandes wenigstens zwei anhand der noch erkennbaren Attribute zu identifizieren. Links, der Kirchenpatron des Ortes, der heilige Jodokus mit den Attributen des Pilgers, dem Hut, dem Mantel und dem Stab. Im Fensterzwischenraum rechts von Jodokus nebeneinander stehend links der heilige Petrus mit Nimbus (Heiligenschein) und Schlüssel, rechts vielleicht ein mit einem Schild ausgestatteter Ritter.

In der die ganze Nordwand des Chorraumes einnehmenden Darstellung des Weltgerichtes sind vier übereinander liegende Bildebenen zu erkennen: In der untersten Ebene die Auferstehung der Toten - aus den geöffneten Särgen entsteigen die Verstorbenen, Engel reichen ihnen helfend die Hände. In der darüber liegenden Reihe, durch einen doppelten Rahmen vom untersten Register abgetrennt, sieht man rechts die Hölle mit dem Drachen, links eine zur Paradiesestür ziehende Menschenmenge. In der nächst höheren Zone sitzen rechts und links vom Kreuz die Apostel mit Büchern in den Händen und über allem, in der obersten Reihe - leider durch die Veränderungen am Dach stark zerstört - das Weltgericht mit dem thronenden Christus. Die Darstellung des Weltgerichts orientiert sich an dem Bibeltext nach Matthäus Kap. 5,31: Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit und werden vor ihm alle Völker versammelt werden, und er wird sie voneinander scheiden." Beherrscht wird das Bild von dem Drachenkopf mit seinem weit aufgerissenem Rachen - eine hervorragende Darstellung des Höllenrachens -, der die Teufel und Verdammten im Maul hält, um sie zu verschlingen. Gegenüber liegt am linken Rand des Bildes und schon am Chorbogen, die Paradiesestür, die von Petrus für die Seligen gerade aufgesperrt wird um sie ins Paradies einzulassen. Die Mitte des Bildes wird von Posaunen blasenden Engeln eingenommen, die das Jüngste Gericht ankündigen. Die Seligen und die Verdammten sind nicht einfach als homogene Menschenmenge dargestellt, vielmehr sind in den Gruppen sehr schön Personen mit individuellen Merkmalen zu erkennen, es sind sogar einzelne Berufsstände an ihrer Kleidung zu identifizieren. In der auf die Paradiesestür zugehenden Menge steht im Vordergrund eine Gruppe von Mönchen in Kutten und mit Tonsur, ihnen folgt ein Ritter in seiner Rüstung. Auf der Seite der Verdammten tragen eine Frau mit einem Kopftuch und ein Teufel stark porträthafte Züge.

Die Szenen aus der Passion Christi, an der südlichen Chorwand über dem Eingang zur Sakristei, waren neben der Jugendgeschichte Jesu ein sehr beliebtes Thema im 14. und 15. Jahrhundert und durch die Darstellungen in den Bilderbibeln auch allgemein bekannt. Die Bilder sind in von einem doppelten Rahmen umgebene Tafeln eingeteilt und in fünf Reihen untereinander angeordnet. Die Geschichte beginnt links oben. Das oberste Register und das erste Bildfeld der zweiten Reihe wurden bei den früheren Umbauten im Deckenbereich zerstört. Wie beim Passionszyklus üblich könnten der Einzug in Jerusalem und die Ölbergszene dargestellt gewesen sein. In den beiden Bildern des zweiten Registers folgen die Gefangennahme Christi und die Vorführung vor Pilatus. Das erste Bildfeld der dritten Reihe ist wieder zerstört. Sehr anschaulich geschildert sind in den folgenden Feldern die Geißelung Christi und die Dornenkrönung mit dem auf dem Thron sitzenden Christus. In der Reihe darunter sehen wir Kreuztragung und Kreuzaufrichtung in einem einzigen und breiteren Bildfeld gemeinsam dargestellt. Anschließend daran Christus am Kreuz, beweint von Maria und Johannes. Im letzten Register folgt die Kreuzabnahme, daran anschließend die Grablegung. Hinter dem Sarg stehen Frauen, die Salbgefäße tragen. Als letzte Szene schließlich die Auferstehung - Christus hält die Siegesfahne.

Die Fresken der Pfarrkirche in Enkingen sind wegen ihrer frühen Entstehungszeit und ihres guten Erhaltungszustandes von großer Bedeutung. Das aus derselben Zeit stammende Jüngste Gericht in der nahe liegenden Dorfkirche von Hoppingen kann wegen seines schlechten Erhaltungszustandes nicht zum Vergleich herangezogen werden. Den Enkinger Passionsszenen gegenüberzustellen sind die ebenfalls qualitätvollen Passionsszenen im nahen Fessenheim, St. Stephan, vom Anfang des 15. Jahrhunderts."
Eva Rüdel M.A., Erlangen/Grosselfingen, Juli 1999

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