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Drei lateinische Lebensbeschreibungen

Judicael trägt seinem Bruder Jodok die Krone an.

(Die fünf folgenden Illustrationen gehören zu einem barocken Bilderzyklus im St. Jodokstift in Landshut.)

Obwohl Jodok bereits im 7. Jahrhundert gelebt hat, werden uns erstaunlich viele Details aus seinem Leben überliefert. Dabei müssen wir aber bedenken, dass wir diese Legenden nicht wie einen heutigen Lebenslauf lesen dürfen. Als die Mönche dem ersten, uns unbekannten Verfasser ("Anonymus") ihre Erinnerungen an ihren Gründer erzählten, waren seit dem Tode Jodoks gut 150 Jahre "verflossen, eine Zeitspanne, genügend, um allerlei allgemein verbreitete Legendenzüge an den dürftigen historischen Faden sich anhängen zu lassen, doch nicht zu lang, als dass nicht sichere historische Erinnerungen durch drei Mönchsgenerationen sich hätten halten können", meint Jost Trier.

Jodok wird uns als Bekenner geschildert,
wie es in orientalischen und spätantiken Legenden üblich war. Im Gegensatz aber zu den Bekennern des Ostens, die sich vor der Gluthitze der Wüste schützen mussten, hörte man im Westen eher das Rauschen des Windes in den Wipfeln der Wälder. Der stickigen Höhle im Osten entsprach hier die Hütte aus Holz am Rande eines Waldtales, wobei man im Dunkel des Waldes der Aura des Göttlichen sich nahe wusste. Wir begegnen bei Jodok auch typischen

"Wandererzählungen",
die sich fast bei jedem Heiligen seiner Klasse finden und von einer Vita zur anderen "wandern":

        Die zahmen Tiere der Wildnis;
        die wunderbare Speisensendung;
        die Nachstellungen des Teufels;
        der Gehorsam des Adlers;
        das Quellenwunder;
        die Heilung des blinden Mädchens;
        die lange Unverweslichkeit des heiligen Leibes.
        Es sind alles generelltypische Züge..."
        (Jost Trier, S. 38)

Jodok legt dem durstigen Haymon eine Quelle frei.

Geschichtliche "Wahrheit"? 
Auch das "königliche Geblüt" Jodoks kann legendär sein. Sein Vater und sein Bruder werden meist als "dux" bezeichnet, d. h. Führer. Erst nach der Eingliederung von Bro Erech taucht der Titel "rex" auf. (Und selbst Orte wie Ray und Runiac - ähnlich Avranches, Chartres, Paris - dürfen hinterfragt werden. Wahrscheinlich befanden sich dort bereits Kultstätten, die sich gewichtiger fühlten, wenn der Heilige selbst einmal dort gelebt hatte.) Hintergrund der mittelalterlichen Geschichte der Bretagne ist der erbitterte Kampf der Kelten gegen die merowingisch-fränkische Zentralgewalt.

Festen historischen Grund geben uns zwei Jahreszahlen: 636 begegnet Judicael, der Bruder Jodoks, dem fränkischen König Dagobert I. in Clichy. Er unterwirft sich voll dem Ultimatum Dagoberts, der Entschädigung für den angerichteten Schaden bei den keltischen Beutezügen und völlige Unterwerfung unter die fränkische Oberhoheit fordert.

Von 996 stammt ein Brief von Abt Alkuin aus St. Josse-sur-Mer, der damit den Ort sowie den Namen des Gründers und des Klosters dokumentiert.

Das Leben des Heiligen wird uns in drei lateinischen Prosawerken überliefert. Daraus kann man ableiten, dass man schon zu Lebzeiten und darüber hinaus das Leben dieses Menschen als beispielhaft erlebt und für berichtenswert gehalten hat.

A   Anonymus
Die historisch wertvollste Vita stammt von einem unbekannten Autor. Jost Trier setzt seine Arbeit stilistisch in der karolingischen Zeit um 800 an. Le Bourdellès datiert den Text um das Jahr 920.

Isembard 
Auf Bitten eines Mönchs aus Saint-Josse-sur-Mer übernimmt vor 1000 ein Mönch des Cluniacenserklosters Fleury erneut die Aufgabe einer Lebensbeschreibung und widmet sie dem damaligen Abt Herbold.

Florentius 
Florentius ist Abt von St. Josse-sur-Mer um das Jahr 1015. Auch die dritte Fassung benutzt den Anonymus als Quelle.