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Predigt zum Jodoksfest 2010

von Michael Pfiffner, Pfarrer

Lesung: Gen 12, 1-4a
Evangelium: Mt 19, 27-29

Liebe Mitchristen!

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Heute in einem Monat ist es soweit: dann werden in Bern zwei neue Bundesräte gewählt. Und auch auf kantonaler Ebene gilt es, einen Regierungsratssitz neu zu besetzen. Es vergeht darum im Moment kaum ein Tag, an dem nicht neue Kandidatinnen und Kandidaten ins Rampenlicht drängen, um ihre Bewerbung oder ihre Absage kundzutun. Und ebenso häufig wird in Kommentaren über die Chancen und Eignungen spekuliert. Dabei haben diese ja nur untergeordnete Gewichtung. Viel wichtiger scheinen da die Fragen nach Konkordanz, nach Regionen, politischen Ausrichtungen und Geschlecht zu sein. Von eigentlichen Kernkompetenzen, Fachgebieten und Qualifikationen wird viel weniger gesprochen.
Um genau solche Talente geht es dann im neuen Jahr auch in der neuen Show des Schweizer Fernsehens, in welcher die grössten Schweizer Talente gesucht werden schon bald kann man sich dazu in den verschiedensten Schweizer Städten bewerben; gesucht sind da natürlich vor allem Talente im Unterhaltungsbereich, wie Gesang, Tanz, Musik, Akrobatik, Zauberei, Tierdressur oder ähnliches.
Damit man da überhaupt eine Chance hätte, muss man natürlich auch wie bei einer Bundesratswahl - ein paar Grundvoraussetzungen mitbringen, damit man zu einem Casting zugelassen wird. Dazu gehört sicher auch, dass man eben ein bestimmtes Talent beherrscht, dass man gut oder ausgeflippt aussieht und dass man sich in Szene setzen kann.

Auch die Kirche kennt Superstars; nur ist ihr Begriff nicht der neumodischen Sprachströmung des Englischen unterworfen. Und die Erfindung der kirchlichen Superstars ist auch nicht erst ein paar Jahre alt; es gibt sie schon seit Bestehen der Kirche und sie tragen den für einen Werbemarkt wohl weniger attraktiven Namen Heilige: Ja, die Heiligen sind die Superstars der Kirche, und dazu gehört auch der Heilige Jodokus, dessen Fest wir heute feiern.

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Nun, wenn die Heiligen so etwas wie Superstars sind, dann ist das logischerweise auch etwas, das nicht jedermann werden kann. Wie aber wird man ein Heiliger, eine Heilige; wie wurde der Heilige Jodokus heilig?
Um heilig zu werden, braucht es kein Casting und keine Talentshow. Und doch gibt es gewisse Regeln, gewisse Bedingungen, welche erfüllt sein müssen. Die Kirche hat ganz klare Rahmenbedingungen festgelegt, welche im Laufe der Zeit immer wieder aktualisiert und verfeinert wurden. Es sind im Wesentlichen drei Vorgaben, die erfüllt sein müssen.
>  Die erste tönt auf den ersten Blick wohl etwas makaber, aber nur schon diese Voraussetzung hebt die kirchlichen Superstars von den anderen ab: Heilig kann erst werden, wer tot ist.
>  Als zweites wird nachgeprüft, ob die entsprechende Person ein vorbildliches christliches Leben geführt hat.
>  Das dritte Kriterium ist gleichwohl das schwierigste, denn damit soll bewiesen werden, dass der Kandidat zur Heiligkeit auch vor Gott heilig ist: Wenn dem so ist, so wird dies durch aussergewöhnliche Vorkommnisse, durch Zeichen bestätigt. Dies sind meistens Heilungswunder: Unerklärliche Heilungen von unheilbaren Krankheiten, welche dem fürbittenden Gebet an die entsprechende Person zugeschrieben werden.
Wenn all dies zutrifft, so kann die entsprechende Person selig gesprochen werden, zur Heiligsprechung werden noch zwei weitere Zeichen benötigt.

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Zur Zeit des Heiligen Jodokus war dieses System kaum so ausgeklügelt, und doch hätte er all diese Klippen ohne weiteres geschafft. Ja, er hätte es sogar geschafft, schon zu Lebzeiten zu einem Superstar zu werden; so hätte er von seinem Bruder die Krone zum bretonischen König übernehmen sollen, was er aber ablehnte. Auch dieses Phänomen ist typisch für Heilige: Denn eigentlich sind die Heiligen zu Lebzeiten kaum Superstars, drängen sich kaum selber ins Rampenlicht. Also muss noch mehr dahinter stecken, muss es noch mehr sein, was die Menschen an den Heiligen so fasziniert.
Und wenn wir unter diesem Aspekt einen Blick auf das Leben und die Legenden des Heiligen Jodokus werfen, so finden wir dort den einen oder anderen Hinweis darauf:
>  Der Heilige Jodokus lässt für seine Wallfahrt nach Rom alles zurück, was im lieb und wert war, so, wie wir es auch von Abraham in der Lesung gehört haben und so, wie es Jesus von denen fordert, die ihm nachfolgen wollen.
>  Er verlässt all das aber nicht für Ruhm und Ehre; sondern um Gott zu dienen geht er dieses Wagnis ein.
>  Und last but not least: sein Leben, sein gelebter Glaube, hat andere so beeindruckt, dass sie selber versuchten, ein vorbildliches, christliches Leben zu führen.

Und all das macht es letztlich aus, dass wir auch nach 1400 Jahren vom Heiligen Jodokus reden, das Fest seines Lebens und Wirkens feiern. Werden wir das in 1400 Jahren auch von unseren neuen Bundesräten oder den Superstars des Showgeschäfts noch sagen können??

Schmerikon, 22. August 2010