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C - Die Lebensbeschreibung des Florentius

Auf Befehl Jodoks lässt der Raubvogel den Hahn wieder fallen

Florentius schreibt seine Vita um 1015 und deutet zu Beginn selber an, dass er aus einer vorhandenen Quelle - es ist der Anonymus - nur einen kurzen Auszug erstellen will. Er benutzt auch die Chronik des Fredegar und benutzt ferner den Isembard.

Florentius widmet sein Werk den mit St. Josse-sur-Mer verbundenen Gebetsbruderschaften im fränkischen und deutschen Gebiet. Deswegen fehlen bei ihm viele Ortsangaben, die eigentlich nur "Einheimische" kennen können. Den äußeren Aufbau der Ereignisse hat Florentius völlig übernommen. Umso mehr springt der innere Unterschied in die Augen. Jost Trier schreibt (S. 44): 

"Es finden sich andere, viel tiefer greifende Abweichungen von der Quelle, wie sie nur aus einer Verschiedenheit der geistigen Haltung gegenüber dem Legendenstoff herrühren können. Die allgemeine Stilwandlung der Legende um das Jahr 1000 herum, die einer Wandlung der gesamten Literatur in jener Zeit entspricht und auf einer durchgreifenden Veränderung des Lebensgefühls beruht, tritt hier zu Tage. Es spiegelt sich im kleinen bei Florentius die große geistige Bewegung wider, deren bedeutendste Äußerung die cluniacensiscche Reform ist. Die dichterische Freude des Anonymus am ruhig Zuständlichen, seine Fähigkeit zu bildhafter Gestaltung in liebevollem Verweilen bei äußeren Einzelheiten, die Kraft, lebendigen, gesteigert aufgebauten Dialog zu erfinden und vor allem seine rein menschliche, bei aller Frömmigkeit stark rationalen Haltung gegenüber den Geschehnissen weichen in Florentius dem geraden Gegenteil. Hier herrscht eine künstlerisch kalte, zwecksetzende reflektierende Einstellung, die die Freude am breit Bildhaften nicht aufkommen läßt, die alles zuständige Nebenwerk, das nicht unmittelbar der Verherrlichung des Heiligen zu dienen vermag, ausmerzt und die das rein Menschliche im Charakter der heiligen Person und der Ereignisse mit krampfhafter Anstrengung ins Übernatürliche steigert und aus dem stillen Einsiedler den glänzenden Wundertäter zu machen sucht." 

Farblos ist z. B. der Widerspruch Wurmars, als Jodok zu großzügig Brot verschenkt. Hungrig sind bei Florentius nicht vier verschiedene Bettler, sondern bei ihm ist es Christus, der viermal in wechselnder Gestalt erscheint. Auch die Aufnahme Jodoks in den geistlichen Stand, indem Jodok von Pilgern die Haare geschoren worden waren, scheint ihm zu primitiv gewesen zu sein. Auch Haymon, Träger der weltlichen Gewalt, wird nach Möglichkeit in den Hintergrund gedrängt. Er verlässt hier Ray nicht wegen der bösen Geister, sondern wegen des zu großen Andrangs der Menschen.

Bei Florentius muss es schließlich schon der Papst sein, der Jodok nach Rom einlädt, damit er sich mit Reliquien für den Neubau seiner Kirche eindeckt. Und schließlich weiß nur Florentius etwas von der Anwesenheit Christi beim Tod Jodoks.

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