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Die Äbte und Pilger in St. Josse-sur-Mer

Das junge Kloster hat zunächst keinen eigenen Abt und ist Ferrières en Gatinais unterstellt. Das geistliche Oberhaupt wird vom König bestimmt.
Die Aufzählung der Äbte übernimmt die Nummerierung, wie sie auf dem Bild am Eingang zur Kirche in St. Josse-sur-Mer verwendet worden ist.

1. Alkuin (792-802)
erhält die Abtei St. Josse als Pfründe. Er hält sich öfter hier auf und baut eine Pilgerherberge, besonders für die Passagiere, die von England kommend im "Überseehafen" Quentovic - was dem heutigen Calais entsprach - landen. 802 legt Alkuin seine Ämter nieder und zieht sich nach Tours zurück, wo er 804 stirbt.

2. Odulph, Graf von Ponthieu (804)
gelingt es, die Einkünfte, die in Ferrières abzuliefern wären, von Karl dem Kahlen, der nach Lothar nun für die westliche Reichshälfte zuständig ist, zugesprochen zu bekommen. Ferrières gerät dadurch in eine wirtschaftliche Notlage und kann angeblich ohne Unterstützung durch St. Josse nicht bestehen. Auch St. Josse presst er rücksichtslos aus. Am Rand des Zusammenbruchs kann es seine sozialen und religiösen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen.

3. Loup/Lupus de Ferrières (Abt von Ferrières 841-861)
beschwert sich wegen Odulph mehrfach bei Lothar und Karl d. Kahlen, aber ohne Erfolg. Erst 849 nach vielfachen Briefwechsel normalisiert sich die dringend erforderliche Unterstützung von Ferrières durch St. Josse.


ABBÉS REGULIERS

1. Warembauld, 802- ca.830
Mönch aus Ferrières en Gatinais, wird von Alkuin als Nachfolger bestimmt. Er führt die Benediktinerregel in St. Josse ein. Der "überschießende Teil" der Almosen geht zeitweise als Pfründe nach Ferrières.
Nach seinem Tod - unter Regierung Ludwigs des Frommen - büßt St. Josse wieder einen Teil seiner Selbständigkeit ein und ist Ferrières geistlich und wirtschaftlich untergeordnet.

844 zerstöre die Normannen den Hafen von Quentovic und die Abtei. Der Hafen Quentovic verschwindet aus der Geschichte und der Hafen von Etaples tritt an seine Stelle.

977 Inventio et translatio corporis sancti Judoci
911 hören die Normannüberfälle auf. Reform durch Cluny.

2. Sigebrand, 977
Das Kloster wird von Grund auf neu aufgebaut. Dazu passt, dass die (angeblichen) Gebeine Jodoks wieder aufgefunden worden sind. Er holt eine Anzahl cluniacensischer Mönche als Stamm des Convents.

3. Josué, 986

4. Gui, 988

x) Herbold (der nach J. Trier auf Sigebrand folgt)
Isembard widmet ihm die Vita Judoci

x) Wido, um 1000

Richard - Der Abt von St. Viton soll das Kloster clunicensisch erneuern.

5. Florentius I., 1015 (Trier: 1010)
verfasst eine der drei Viten

x) Arnulf, xxxx-1016

6. Herbert, 1052

7. Garin, 1067

x) Walther von Lalaing, 1085

8. Gauthier, 1105

9. Hugues I., 1110

10. Imbert, 1128

11. Robert I., 1134-1138

12. Thibeau/Theobladus, 1140 (Trier 1138)

13. Gauthier II., 1160

x) Walther II., xxx

14. Hugues/Hugo II., 1192

15. Florentius II., 1203

Die neugegründete Dorfgemeinde erhält Besitzungen des Klosters.
Visitation und Reform des Kloster durch die Äbte von Clairmarai (St. Omer)
und Longvilliers (Boulogne) und den Dekan von Montreuil.

xx) Ethard, 1212

16. Simon d'Aisseville, 1215 (Trier1220)
1232 brennen Kirche, Dormitorium und Offizin nieder.

17. Imbert II., 1219

18. Gauthier III., 1244

19. Eustache, 1256

20. Pierre/Petrus I., 1270 (Trier1272) 

21. Guilaume I., 1275

22. Pierre/Petrus II., xxx

xx) Johannes I. 1280

Der erste namentlich bekannte Pilger:
1286 besucht Heinrich von Vinstingen, Erzbischof von Trier, den Wallfahrtsort.
1287 schreibt Rudolf von Schauensee (Konstanz) sein berühmtes Testament, bevor er sich auf den Weg nach St. Josse macht
Wenige Jahre nach ihm macht sich eine Gruppe von 14 Leuten aus dem Urner Land, die meisten aus Schattdorf, auf den Weg und "verdurbent vff dem weg als sy Sant Jost warend".
Große Erschütterung; dennoch: "Die freien und Bußwallfahrten aus unserem Land nach St. J waren schon zahlreich..." (F. Marbach)
1322 Ludwig der Bayer, (ab 1328 dt. Kaiser), kommt zum Dank für seinen Sieg über Friedrich den Schönen von Österreich (1322 bei Mühldorf) als Pilger nach St. Josse-sur-Mer.
Er ermutig seinen Vetter, Herzog Heinrich XIV, dem Heiligen in Landshut eine Kirche zu bauen. 

23. Nicaise, 1332

24. Arnould Pezel, 1353

25. Arnould II., 1365

1366 pilgert Hartmann von Brunau nach St. Josse.
1367 kommt Johannes von Herblingen (Konstanz).
1381 sieht sich Bi von Würzburg genötigt zu bestimmen, wieviel Geld und Zeit seine Chorherren beanspruchen dürfen, wenn sie nach St. Jost pilgerten

26. Nicaise Brunet, 1382

1416 kommt Kaiser Sigismund auf dem Weg nach England vorbei.

xx) Robert II.1408
findet eine Renovation statt.

1416 kommt Kaiser Sigismund

27. Nicolas de Fosseux, 1419

1431 Landgraf Ludwig I. von Hessen kommt mit großen Gefolge nach St. Josse.
Er bekommt einen Schluck aus St. Josts Kelch.

28. Guillaume II., 1454

29. Jean de Vaux, 1456

 1457 Graf von Charolais (Karl d. Kühne) kommt mit Frau Isabelle von Bourbon.
 1463 kommt Philipp der Gute von Burgund vorbei.

30. Adrien du Biez, 1479, war früher Mönch in St. Valery
hatte die Abtei gegen die Spanier zu verteidigen; dankte 1496 ab.

31. Mathieu de la Varenne, 1495-1519
war der letzte selbständige und gewählte Abt.

1519 kommen 14 Pilger aus Schattdorf/Schweiz auf dem Weg "zu St. Jost" ums Leben


Die im 15. Jh. begonnen Auflösung (Kriege) wurde durch die Reformation vollendet. "Unter Franz I. kam der Brauch mehr und mehr in Übung, die Abtswürde nur noch als Pfründe zu vergeben, ohne dem Abt die Verpflichtung aufzuerlegen, in seiner Abtei zu residieren. Eine Reihe derartiger Commendataräbte, die noch dazu unfähig, verschwenderisch, auch moralisch bedenklich waren, richteten Wohlstand und geistliches Leben der Abtei vollends zugrunde," (J. Trier. S. 131) sodass die Französische Revolution nur zu besiegeln brauchte, was Jahrhunderte des Niedergangs schon vorbereiteet hatten.

ABBÉS COMMENDATAIRES

1. Gilbert de la Fayette , 1530-1545
Günstling Franz I.

2. Odet/Eudes d'Averhoult, 1549
Ließ seine Pfründe durch betrügerische Beamte eintreiben.

3. Guillaume Martel/Mortel, 1569
überließ seine Würde dem Gratian Chenu, der sich gewaltsam gegen Fr. des Essarts verteidigen musste.

4. Francois des Essarts, 1597

1594-1598 wird das Kloster von den Spaniern geplündert

5. Gratien Chenu , 1599

6. Henri Martel, 1604 (Trier: 1600)
bringt die Abtei mit Waffengewalt an sich und lebet hier mit Weib und Kind.

7. Etienne Moreau, 1620-70
Ludwig XIII. zwingt Martel zur Resignation und setzt Moreau ein.
Ihm gelingt zum letzten Mal, das Kloster wieder hochzubringen. Stirb als Bischof von Arras. Sein Herz ist im Chor von St. Josse begraben.

8. Johann de Wattenvyl, 1670-1701
Durch diplomat. Bemühungen die Gunst Ludwigs XIV. erlangt, bekam er St. Josse und lebte dort in Saus und Braus.

9. J. A. de Blankenheim, 1701
vorher Erzbischof von Prag

10. de Modéne, 1764

11. Michel de Carrière de Castelneau, 1788

Schon vor der Revolution wurde die Abtei aufgehoben.
In der Revolution wurde das Kloster zerstört.