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Landshut, kath. Pfarrkirche St. Jodok

St. Jodok in Landshut (letzte Zeichnung von Franz Högner)

Kath. Pfarramt St. Jodok 
Freyung 629 
84028 Landshut 
Tel. 0871/ 92 30 4-0
eMail: st-jodok.landshut(at)erzbistum-muenchen.de 

Wie Jodok nach Landshut kam
Nach dem Tod Herzog Ludwig II. können sich die sieben Kurfürsten nicht einigen und wählen den Habsburger Friedrich den Schönen und den Wittelsbacher Ludwig IV. zu deutschen Königen. Ludwig entscheidet den Thronstreit militärisch und besiegt seinen Rivalen 1322 in der Schlacht bei Mühldorf. Nach seinem Sieg unternahm er "eine Dankeswallfahrt zu dem Grabe des hl. Jodokus, und er unterstützte und veranlaßte seinen Vetter, den Herzog Heinrich von Niederbayern (*1305-39), in Landshut eine Kirche zu Ehren des hl. Jodokus zu errichten." 
(Peter Rausch, Realschulrektor a. D., Andernach: "Besinnliches zur Wallfahrt nach Langenfeld und St. Jost" im "Heimatjahrbuch 1967", Kreis Ahrweiler, S. 75). 

1328 lässt sich Ludwig in Rom - ohne Segen des Papstes Johannes XXII. - zum deutschen Kaiser Krönen. Als deutscher Kaiser ist er Lehensherr in der Picardie (wenigstens eines Gebietes, das jenseits der Canche liegt, vis á vis der Abtei St. Josse-sur-Mer, wenn nicht auch von St. Josse). Es ist naheliegend, dass Kaiser Ludwig IV. seine Möglichkeiten eingesetzt haben dürfte, um seinem Vetter auch die bedeutende Reliquie des Heiligen zu besorgen, (auch wenn uns dafür jeder Hinweis fehlt). 

1338 Baubeginn von St. Jodok in Landshut;
1469 Errichtung der Pfarrei;
1403 brennt die Kirche zum großen Teil ab; 
2. Hälfte 15. Jh. Wiederaufbau und Vollendung des Turmes. 
Die frühgotische und nach dem Brand spätgotisch wieder aufgebaute Kirche ist ein Muster der Bettelordensgotik

Hans Leinberger, Angehöriger der Pfarrei, hat für seine Pfarrkirche wenigstens einen Hochaltar und zwei Seitenaltäre mit diversene Figuren geschnitzt, von denen sich leider nichts in der eigenen Kirche erhalten hat. Die Zentralfigur des Kirchenpatrons steht als meditierender Einsiedler (205 cm groß) im Bayer. Nationalmuseum, beschriftet als St. Jakobus/St. Jodokus. 

Nach eine kurzen barocken Phase, aus der nur die Wangen der Bänke erhalten sind, wird zwischen 
1840 und 1890 das Inventar komplett gegen qualitätvolle Neugotik ausgetauscht  ("In eine gotische Kirche gehört eine gotische Ausstattung!"), sodass die Kirche heute noch ein gut erhaltenes Beispiel einer früh- und spätgotischen Anlage mit nahezu vollständiger neugotischer Ausstattung darstellt. Bei einer großen Sanierung wegen bedrohlicher Setzungsrisse musste 
1986-97 die Kirche vom Fundament bis zur Turmspitze überholt werden. Dabei wurde sie an die nachkonziliare Liturgie angepasst. 

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* Für die ursprüngliche Gestalt stand der Typus der "Bettelordenskirchen" Pate, der in Altbayern zu einer recht einheitlichen Grundform gefunden hatte. Diese Bettelordenskirchen, die zwischen 1270 und 1370 in relativ großer Zahl entstanden waren - auch die benachbarte Dominikanerkirchen von 1270 gehört dazu -, verwendeten recht sparsam einige Elemente der Gotik:

Dem Langhaus mit Flachdecke und kurzen Fenstern stand das gewölbte Presbyterium mit langen Lanzettfenstern gegenüber, beide getrennt durch den Triumphbogen und einen Lettner, an dem der Kreuzaltar für das Volk stand. Lediglich die Krypta, über deren Bestimmung man nur raten kann, kam in St. Jodok zusätzlich dazu. Und ein mächtiger Kirchturm, der den Bettelorden verboten war, wies sie als bürgerliche Stadtkirche aus.